Zu Beginn der Pfingstferien hieß es für vier Schüler*innen des RWG nicht ab in den Urlaub, sondern ab nach Stuttgart und fünf Tage lang in die Rollen von Diplomat*innen bei den Vereinten Nationen schlüpfen.
Die 10.- und 11.-Klässler*innen Amira A., Tim N., Defne K. und Konrad Z. schlüpften in die Rolle von Delegierten verschiedener Länder, diskutierten und verhandelten aktuelle globale Themen und Herausforderungen und beschlossen Resolutionen (nicht-bindende Rechtstexte). Neben den Schüler*innen des RWG nahmen über 250 weitere Jugendliche an Modell-United-Nations Baden-Württemberg (MUNBW) teil.

Die Teilnehmenden des RWG vertraten bei MUNBW die „Dominikanische Republik“, „Kanada“ und die „Niederlande“. In verschiedenen Ausschüssen beschäftigten sie sich beispielsweise Klimaflucht, der Gleichberechtigung in der medizinischen Forschung oder dem Schutz von Waldökosystemen.
Mit beeindruckender Schnelligkeit haben die Schüler*innen in ihre Rollen gefunden und haben ihre Tage von diesem Punkt an nur noch mit Beamtendeutsch, Anträgen und Verhandlungen verbracht. In drei vollgepackten Sitzungstagen à 9 Stunden Verhandlungen haben die Jugendlichen auf hohem Niveau diskutiert, Anträge gestellt und in informellen Sitzungen um die kleinsten Formulierungen und Mehrheiten gerungen. Am Ende wurde in allen Gremien ein Resolutionspapier verabschiedet – die Verhandlungen waren also erfolgreich.

Ein besonderer Dank geht an das Modehaus Wagener, die den männlichen Teilnehmenden Leihanzüge zur Verfügung gestellt haben.
Als betreuende Lehrkraft der MUN-AG bin ich einfach nur stolz auf meine Schüler*innen. Sie haben ihre Rollen in beeindruckender Tiefe vertreten, sich elegant auf dem diplomatischen Parkett bewegt und dazu noch eine Menge Spaß gehabt und neue Freundschaften gefunden. Schule kann so viel mehr sein als nur Unterricht, wenn man sich darauf einlässt. Danke, dass ihr euch darauf eingelassen habt, wohlgemerkt in euren Ferien!
Ich bin stolz auf euch und wie ihr MUNBW gerockt habt!
Johannes Hug
Juliette als Richterin bei MUNBW
MUNBW: Fünf Tage Beamtendeutsch
Fünf Tage Beamtendeutsch, 253 fremde Menschen und 9 Stunden am Tag Jura und Papierkram? Für die meisten wahrscheinlich ein Albtraum. Für mich? DIE Erfahrung bei Model United Nations im Mai 2026 in Stuttgart. Eine Simulation der Vereinten Nationen mit verschiedenen Gremien, für jede und jeden Jura-Interessierten ein Muss!
Als eine der 16 Richter und Richterinnen am Internationalen Gerichtshof hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, über die Katastrophe von Baia Mare zu urteilen. Für alle, die den Fall nicht kennen: Im Jahr 2000 gelangten nach dem Dammbruch in Baia Mare (Rumänien) große Mengen cyanidhaltigen Wassers in mehrere Flüsse, unter anderem in die Donau in Ungarn. Dort entstanden nicht nur ökologische, sondern auch psychologische und wirtschaftliche Schäden. Für die Umwelt eine Katastrophe - für MUN-Delegierte die perfekte Gelegenheit, stundenlang darüber zu diskutieren, wer jetzt eigentlich schuld ist.
Nach ein paar Minuten war ich schon in meine Rolle geschlüpft und auch die „fremde“ Sprache der Juristerei war mir kein Rätsel mehr. Schon nach den ersten Reden wurde klar, dass die Frage eher war, inwiefern Rumänien haften soll und nicht, ob Rumänien überhaupt schuldig sei.
Mit beeindruckender Selbstsicherheit wurden internationale Verträge zitiert, Argumente auseinandergenommen und teils auch sehr fragwürdige Zeugen befragt (unter anderem ein Fisch, jaja, richtig gelesen!). Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Delegierten mehr über internationales Umweltrecht wussten als die Menschen, die die Gesetze geschrieben haben.
Besonders faszinierend war, wie flexibel Fakten sein können. Je nachdem, welche Seite gerade sprach, war Baia Mare entweder schlimmer als Tchernobyl oder einfach nur ein kleines „Ups, passiert“. Ich lernte schnell, dass man mit genug Überzeugungskraft fast alles plausibel klingen lassen kann und dass man im Alltag mehr auf seine Wortwahl und Ausdrucksweise achten sollte, denn Wörter haben mehr Einfluss als man denkt. Meine Aufgabe bestand darin, objektiv zu bleiben. Das war allerdings nicht immer einfach, vor allem wenn manche Richter ihre Plädoyers mit der Dramatik einer Oscar-Rede vortrugen oder es in eine Chemie-Lehrstunde mit Matherechnungen verwandelten. Das hat natürlich bei der Presseabteilung für diverse Eklat-Artikel gesorgt (z.B. https://presse.munbw.de/red-rising-marcel-davis-2/).
Trotz des ernsten Themas wurde im Gericht und überall viel gelacht. Zwischen hitzigen Debatten, etlichen erstellten Memes (https://presse.munbw.de/meme-bw/) und vielen „Ich stelle einen Antrag auf das Öffnen der Fenster“ entstand eine Atmosphäre, die gleichzeitig professionell und unglaublich unterhaltsam war.
Am Ende verließ ich den Gerichtssaal mit deutlich mehr Wissen über Umweltrecht, staatliche Verantwortung und die erstaunliche Fähigkeit von MUN-Delegierten, aus einem Dammbruch eine Debatte zu machen, die länger dauert als die eigentliche Umweltkatastrophe.

Neben dem wirklich gut eingehaltenen Dresscode und dem noch besseren Essen war für mich das Highlight der Diplomatenball im Abendkleid und der Rückblick der Tage, den die Presseabteilung erstellte. Was mich am meisten überrascht hat? Der Umgang miteinander. Die Hilfsbereitschaft der 253 jungen Menschen, die offen, achtsam und vor allem reflektiert handeln und sprechen.
Würde ich es wieder machen? Absolut. Aber beim nächsten Mal bringe ich vielleicht ein Notizbuch für die besten Zitate und Zeugenaussagen mit (Blub-blub)!
Juliette Gruner