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Eine Rede von Hanna Dietrich anlässlich des Volkstrauertags.
Der Volkstrauertag - Ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag des Gedenkens. Des Gedenkens an die Kriegsgefallenen ebenso wie an all die andern, die wir im Laufe unseres Lebens verloren haben. Dieses Gedenken ist durchaus wichtig, selbst wenn es oft schmerzhaft ist. Vor Allem meine Generation, die glücklicherweise frei von Kriegsbedrohung aufwachsen durfte, darf nie vergessen, welch schreckliche Dinge geschehen sind.
Gleichzeitig kann uns das Erinnern an Vergangenes auch Trost, Hoffnung und Zubersicht schenken.
Ich werde Ihnen nun einen Ausschnitt aus dem Buch „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupérie vorlesen, in dem der Kleine Prinz beschreibt, wie sich der Erzähler an ihn erinnern wird, wenn er die Erde verlassen hat.
Er antwortete nicht auf meine Frage, fuhr aber fort: »Auch ich werde heute nach Hause zurückkehren...« Dann schwermütig: »Das ist viel weiter... Das ist viel schwieriger...« Ich fühlte wohl, daß etwas Außergewöhnliches vorging. Ich schloß ihn fest in die Arme wie ein kleines Kind, und doch schien es mir, als stürzte er senkrecht in einen Abgrund, ohne daß ich imstande war, ihn zurückzuhalten... Sein Blick war ernst; er verlor sich in weiter Ferne: »Ich habe dein Schaf. Und ich habe die Kiste für das Schaf. Und ich habe den Maulkorb...« Und er lächelte schwermütig. Ich wartete lange. Ich fühlte, daß er sich mehr und mehr erwärmte: »Kleines Kerlchen, du hast Angst gehabt...« Er hatte Angst gehabt, ganz gewiß! Aber er lachte sanft: »Ich werde heute abend noch viel mehr Angst haben...« Wieder lief es mir eisig über den Rücken bei dem Gefühl des Unabwendbaren. Diese Lachen nie mehr zu hören - ich begriff, daß ich den Gedanken nicht ertrug. Es war für mich wie ein Brunnen in der Wüste. »Kleines Kerlchen, ich will dich noch lachen hören...« Aber er sagte zu mir: »Diese Nacht wird es ein Jahr. Mein Stern wird sich gerade über dem Ort befinden, wo ich letztes Jahr gelandet bin...« »Kleines Kerlchen, ist sie nicht ein böser Traum, diese Geschichte mit der Schlange und der Vereinbarung und dem Stern...« Aber er antwortete nicht auf meine Frage. Er sagte: »Was wichtig ist, sieht man nicht...« »Gewiß...« »Das ist wie mit der Blume. Wenn du eine Blume liebst, die auf einem Stern wohnt, so ist es süß, bei Nacht den Himmel zu betrachten. Alle Sterne sind voll Blumen.« »Gewiß...« »Das ist wie mit dem Wasser. Was du mir zu trinken gabst, war wie Musik, die Winde und das Seil... du erinnerst dich... es war gut.« »Gewiß...« »Du wirst in der Nacht die Sterne anschauen. Mein Zuhause ist zu klein, um dir zeigen zu können, wo es umgeht. Es ist besser so. Mein Stern wird für dich einer der Sterne sein. Dann wirst du alle Sterne gern anschauen... Alle werden sie deine Freunde sein. Und dann werde ich dir ein Geschenk machen...« Er lachte noch. »Ach! Kleines Kerlchen, kleines Kerlchen! Ich höre diese Lachen so gern!« »Gerade das wird mein Geschenk sein... Es wird sein wie mit dem Wasser...« »Was willst du sagen?« »Die Leute haben Sterne, aber es sind nicht die gleichen. Für die einen, die reisen, sind die Sterne Führer. Für andere sind sie nichts als kleine Lichter. Für wieder andere, die Gelehrten, sind es Probleme. Für meinen Geschäftsmann waren sie Gold. Aber alle diese Sterne schweigen. Du, du wirst Sterne haben, wie sie niemand hat...« »Was willst du sagen?« »Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!« Und er lachte wieder. »Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen... Und deine Freunde werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, daß du den Himmel anblickst und lachst. Dann wirst du ihnen sagen: 'Ja, die Sterne, die bringen mich immer zum Lachen!' Und sie werden dich für verrückt halten. Ich werde dir einen hübschen Streich gespielt haben...«
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